
Notfallplan & Medikamenten-Management
Struktur in den Pflegealltag bringen: Notfallplan, wichtige Telefonnummern, Medikamentenplan, Notfallkontakte und das richtige Verhalten im Notfall — verständlich und praxisnah erklärt.

Notfallplan & Medikamenten-Management — Sicherheit im Pflegealltag
Ein Notfallplan bündelt alle wichtigen Informationen, die im Ernstfall schnell greifbar sein müssen: Telefonnummern von Hausarzt, Pflegedienst, Rettungsdienst und Angehörigen, der aktuelle Medikamentenplan, Vorerkrankungen, Allergien und Vorsorgevollmachten. Er ist das zentrale Dokument, das Pflegepersonen, Rettungskräften und Ärzten eine schnelle Orientierung ermöglicht.
Das Medikamenten-Management stellt sicher, dass Medikamente richtig, rechtzeitig und in der richtigen Dosierung verabreicht werden. Ein strukturierter Medikamentenplan, regelmäßige Überprüfung und klare Zuständigkeiten verhindern Fehler und Wechselwirkungen. Beides zusammen — Notfallplan und Medikamenten-Management — schafft Sicherheit für Pflegebedürftige und Pflegende.
Wichtige Telefonnummern und Ansprechpartner
Im Notfall zählt jede Minute. Eine Liste mit allen wichtigen Kontakten — gut sichtbar aufbewahrt — stellt sicher, dass Pflegepersonen und Rettungskräfte schnell die richtigen Ansprechpartner erreichen.
Hausarzt
Nummer: Individuell
Erreichbarkeit: Mo–Fr tagsüber, teilweise Bereitschaftsdienst am Wochenende
Aufgabe: Erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Fragen, Verordnung von Medikamenten, Überweisungen an Fachärzte, Hausbesuche bei Bettlägerigkeit.
Pflegedienst
Nummer: Individuell
Erreichbarkeit: Rund um die Uhr erreichbar — auch nachts und am Wochenende
Aufgabe: Pflegerische Versorgung, Medikamentengabe, Wundversorgung, Beratung bei pflegerischen Fragen und Notfällen im Pflegealltag.
Rettungsdienst (112)
Nummer: 112
Erreichbarkeit: Rund um die Uhr — kostenlos
Aufgabe: Bei akuter Lebensgefahr, Bewusstlosigkeit, Atemnot, starken Schmerzen oder Stürzen mit Verdacht auf Fraktur. Den Notarzt zur Verfügung.
Krankenhausrufbereitschaft (116117)
Nummer: 116117
Erreichbarkeit: Rund um die Uhr — kostenlos
Aufgabe: Bei nicht lebensbedrohlichen, aber dringenden gesundheitlichen Problemen außerhalb der Sprechzeiten des Hausarztes — etwa Fieber, Schmerzen, leichte Verletzungen.
Apotheke (Notdienst)
Nummer: Individuell
Erreichbarkeit: Apothekennotdienst rund um die Uhr, wechselnd nach Plan
Aufgabe: Beschaffung von Medikamenten außerhalb der Öffnungszeiten. Notdienstnummer über ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117 oder örtliche Apotheken erfragbar.
Angehörige / Bevollmächtigte
Nummer: Individuell
Erreichbarkeit: Nach Vereinbarung — am besten rund um die Uhr erreichbar
Aufgabe: Informiert werden bei allen wichtigen Entscheidungen. Bei Bewusstlosigkeit oder Entscheidungsunfähigkeit der pflegebedürftigen Person vertretungsberechtigt.
Vorsorge ist, wenn man an morgen denkt, bevor das heute zu Ende geht.
Medikamentenplan — Einnahme strukturieren
Ein strukturierter Medikamentenplan stellt sicher, dass Medikamente rechtzeitig, in der richtigen Dosierung und in der richtigen Reihenfolge eingenommen werden. Die folgende Übersicht zeigt einen exemplarischen Tagesablauf, der an die individuelle Situation angepasst werden muss.
Vormittags (06–12 Uhr)
Uhrzeit: 07:00 Uhr
Medikamente: Blutdrucksenker, Schmerzmittel, Schilddrüsenhormon
Hinweis: Vor dem Frühstück einnehmen, ausreichend Wasser nachtrinken.
Mittags (12–18 Uhr)
Uhrzeit: 13:00 Uhr
Medikamente: Diuretikum, Vitamin D, Eisenpräparat
Hinweis: Nach dem Mittagessen. Eisenpräparat nicht zusammen mit Kaffee oder Milch einnehmen.
Abends (18–22 Uhr)
Uhrzeit: 19:00 Uhr
Medikamente: Blutdrucksenker, Statin, Schlaftablette bei Bedarf
Hinweis: Statin abends einnehmen, da Cholesterinsynthese nachts am höchsten ist. Schlaftablette nur bei Bedarf und nach ärztlicher Absprache.
Nachts (22–06 Uhr)
Uhrzeit: Bei Bedarf
Medikamente: Schmerzmittel bei Schmerzen, Nitrospray bei Bedarf
Hinweis: Nitrospray immer griffbereit halten. Bei Brustschmerzen sofort den Rettungsdienst 112 rufen.
Notfall & Medikamente in Zahlen
Verhalten im Notfall — Schritt für Schritt
Ein klarer Ablauf im Notfall hilft, Panik zu vermeiden und die richtigen Maßnahmen einzuleiten. Die folgenden sechs Schritte sollten alle Pflegepersonen kennen und einüben.
Ruhe bewahren und Lage beurteilen
Der erste Schritt im Notfall ist, Ruhe zu bewahren und die Situation zu überblicken. Ist die Person bei Bewusstsein? Atmet sie? Gibt es äußere Verletzungen? Eine schnelle, aber bewusste Einschätzung hilft, die richtigen Maßnahmen einzuleiten und Panik zu vermeiden.
Rettungsdienst 112 rufen — bei akuter Gefahr
Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot, starken Brustschmerzen, Verdacht auf Schlaganfall oder schweren Stürzen sofort den Rettungsdienst unter 112 alarmieren. Nennen Sie Standort, Name und Alter der Person, die Art des Notfalls und bekannte Vorerkrankungen. Bleiben Sie am Telefon, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Erste Hilfe leisten
Je nach Situation können erste Maßnahmen lebensrettend sein: stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit mit Atmung, Herzdruckmassage bei Atemstillstand, Druck auf blutende Wunden, Wärmeerhaltung bei Unterkühlung. Die wichtigsten Handgriffe sollten alle Pflegepersonen beherrschen.
Pflegedienst und Angehörige informieren
Nach dem Notruf sollten Pflegedienst und Angehörige informiert werden. Der Pflegedienst kann weitere pflegerische Maßnahmen koordinieren und gegebenenfalls die ärztliche Versorgung sicherstellen. Angehörige sollten über den Vorfall und die eingeleiteten Maßnahmen unterrichtet werden.
Medikamentenplan und Vorerkrankungen bereithalten
Im Notfall sollten der aktuelle Medikamentenplan, wichtige Diagnosen, Allergien und Vorsorgevollmachten griffbereit sein. Eine Notfallmappe an gut sichtbarer Stelle — etwa am Kühlschrank oder am Bett — stellt sicher, dass der Rettungsdienst schnell die nötigen Informationen erhält.
Dokumentation und Nachbereitung
Nach dem Notfall sollten der Vorfall und die eingeleiteten Maßnahmen dokumentiert werden. Ein Eintrag in die Pflegedokumentation hilft dem Pflegedienst und dem Arzt, die weitere Versorgung anzupassen. Bei Stürzen oder Wandel des Gesundheitszustands sollte der Hausarzt informiert werden.
Was gehört in die Notfallmappe?
Eine Notfallmappe bündelt alle Dokumente, die im Ernstfall schnell greifbar sein müssen. Sie sollte gut sichtbar aufbewahrt werden — etwa am Kühlschrank, am Bett oder in der Nähe des Telefons. Folgende Dokumente und Informationen gehören hinein.
Persönliche Daten
Name, Geburtsdatum, Adresse, Krankenversicherungsnummer, Versichertenstatus. Ergänzt um ein aktuelles Passfoto, um die Identität im Notfall schnell zu bestätigen.
Kontaktliste mit Telefonnummern
Hausarzt, Fachärzte, Pflegedienst, Apotheke, Krankenhaus, Angehörige, bevollmächtigte Person, Betreuer. Alle Nummern aktuell und in lesbarer Schrift.
Aktueller Medikamentenplan
Alle Medikamente mit Dosierung, Einnahmezeit, Darreichungsform und verschreibendem Arzt. Allergien und Unverträglichkeiten gesondert kennzeichnen. Bei Veränderungen sofort aktualisieren.
Diagnosen und Vorerkrankungen
Alle relevanten Diagnosen — chronische Erkrankungen, Operationen, Allergien, Implantate wie Herzschrittmacher oder Gelenkprothesen. Auch wichtige Befunde und Arztbriefe beilegen.
Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung
Kopien der Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung. Im Ernstfall ermöglichen sie der bevollmächtigten Person, Entscheidungen zu treffen und den Willen der pflegebedürftigen Person zu vertreten.
Versicherungsdokumente
Kopien der Versichertenkarte, Versichertenstammdatenblatt, Pflegebescheid mit Pflegegrad, Schwerbehindertenausweis. Diese Dokumente erleichtern die Abwicklung im Krankenhaus und mit der Pflegekasse.
Tipps zum Notfallplan und Medikamenten-Management
Erstellen Sie den Notfallplan zusammen mit dem Hausarzt und dem Pflegedienst. Nur so sind alle medizinischen und pflegerischen Informationen aktuell und vollständig.
Legen Sie die Notfallmappe an einem gut sichtbaren Ort auf — etwa am Kühlschrank, am Bett oder in der Nähe des Telefons. Rettungskräfte suchen instinktiv dort.
Aktualisieren Sie den Medikamentenplan bei jeder Verschreibungsänderung. Veraltete Pläne sind eine der häufigsten Ursachen für Medikamentenfehler.
Nutzen Sie einen Wochenmedikamenten-Dispenser (Tablettenbox) mit Fächern für jeden Tag und jede Einnahmezeit. Er hilft, vergessene Einnahmen zu vermeiden.
Besprechen Sie mit dem Hausarzt alle eingenommenen Medikamente — auch rezeptfreie und pflanzliche. So können Wechselwirkungen frühzeitig erkannt werden.
Machen Sie alle Pflegepersonen mit dem Notfallplan vertraut. Üben Sie den Notfallablauf — etwa das Alarmieren des Rettungsdienstes — gelegentlich durch.
Tragen Sie eine Notfallnummer im Handytaschen- oder Geldbeutel-Hinweis. So finden Rettungskräfte auch außerhalb der Wohnung schnell die nötigen Informationen.
Dokumentieren Sie jeden Notfall und jede Medikamentenänderung in der Pflegedokumentation. So bleibt der aktuelle Stand für alle Beteiligten nachvollziehbar.
Häufige Fragen zum Notfallplan und Medikamenten-Management
Bei akuter Lebensgefahr, Bewusstlosigkeit, Atemnot, starken Brustschmerzen, Verdacht auf Schlaganfall (Gesichtslähmung, Sprachstörungen, Lähmung einer Körperseite) oder schweren Stürzen mit Verdacht auf Fraktur. Im Zweifel lieber einmal zu viel als zu wenig alarmieren — der Rettungsdienst kommt kostenlos.
Die 112 ist der Notruf für den Rettungsdienst bei akuter Lebensgefahr. Die 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst für nicht lebensbedrohliche, aber dringende gesundheitliche Probleme außerhalb der Sprechzeiten des Hausarztes — etwa am Wochenende, nachts oder an Feiertagen. Beide Nummern sind kostenlos.
Der Notfallplan sollte gut sichtbar und für Rettungskräfte schnell zugänglich aufbewahrt werden — etwa am Kühlschrank, am Bett, in der Nähe des Telefons oder an der Wohnungstür. Im Rettungsfall ist jede Minute wertvoll, und Helfer suchen instinktiv nach solchen Dokumenten.
Der Medikamentenplan sollte bei jeder Änderung der Medikation aktualisiert werden — etwa bei neuer Verschreibung, Dosisanpassung oder Absetzen eines Medikaments. Zusätzlich empfiehlt sich eine Überprüfung mit dem Hausarzt etwa alle drei Monate, um Wechselwirkungen und Doppelverordnungen zu vermeiden.
Persönliche Daten, Kontaktliste mit Telefonnummern von Hausarzt, Pflegedienst und Angehörigen, aktueller Medikamentenplan, Diagnosen und Vorerkrankungen, Allergien, Kopien von Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, Versichertenkarte, Pflegebescheid und Schwerbehindertenausweis. Alles in einer Mappe gebündelt und gut sichtbar aufbewahrt.
Ein strukturierter Medikamentenplan, ein Wochenmedikamenten-Dispenser und die regelmäßige Überprüfung mit dem Hausarzt sind die wichtigsten Maßnahmen. Zudem sollten alle Medikamente — auch rezeptfreie und pflanzliche — besprochen werden, um Wechselwirkungen zu erkennen. Die Dokumentation der Einnahme hilft, vergessene Dosen zu vermeiden.
Je nach Medikament und Zeitraum sollte die vergessene Dosis nachgeholt oder übersprungen werden. Bei Blutdrucksenkern oder Schmerzmitteln kann die Einnahme oft noch innerhalb von ein bis zwei Stunden nachgeholt werden. Bei Antibabypille, Blutverdünnern oder Insulin sollte der Hausarzt befragt werden. Im Zweifel nie die doppelte Dosis einnehmen.
Ja, der Pflegedienst ist in der Regel rund um die Uhr erreichbar und kann bei pflegerischen Notfällen unterstützen — etwa bei Stürzen, Wundversorgung oder Medikamentenproblemen. Er kann auch den Rettungsdienst alarmieren und Angehörige informieren. Die genaue Erreichbarkeit und die Notfallnummer sollten mit dem Pflegedienst vereinbart werden.
Für Menschen mit Demenz ist ein Notfallplan besonders wichtig, da sie selbst oft nicht mehr helfen können. Neben den üblichen Informationen sollte der Plan ein aktuelles Foto, eine Beschreibung des Verhaltens und Angaben zu Orientierungsstörungen enthalten. Bei Weglaufneigung sollten sicherere Maßnahmen wie ein Notfallarmband vereinbart werden.
Der Hausarzt, der Pflegedienst und Pflegeberatungsstellen können bei der Erstellung des Notfallplans helfen. Viele Pflegekassen bieten kostenlose Beratung und Vorlagen an. Auch der Medizinische Dienst kann im Rahmen der Pflegebegutachtung Hinweise geben. Wichtig ist, dass der Plan zusammen mit den Beteiligten erstellt und regelmäßig aktualisiert wird.
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