
Tagespflege & Nachtpflege
Teilstationäre Pflege ist ein wichtiger Mittelweg zwischen häuslicher und stationärer Pflege. Tagespflege und Nachtpflege bieten Struktur, Entlastung und soziale Kontakte — ohne die häusliche Umgebung aufzugeben.

Tagespflege und Nachtpflege — teilstationäre Pflege verstehen
Teilstationäre Pflege bedeutet, dass Pflegebedürftige einen Teil des Tages oder der Nacht in einer Pflegeeinrichtung verbringen, aber zu Hause wohnen bleiben. Die zwei wichtigsten Formen sind die Tagespflege (tagsüber) und die Nachtpflege (nachts).
Beide Formen sind gesetzlich in § 41 SGB XI geregelt. Sie richten sich an Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 bis 5, die nicht vollstationär versorgt werden müssen, aber tagsüber oder nachts professionelle Pflege und Betreuung benötigen.
Die Pflegekasse übernimmt die Pflegekosten als Sachleistung bis zu einem monatlichen Höchstbetrag. Für Unterkunft und Verpflegung entsteht ein Eigenanteil. Teilstationäre Pflege lässt sich mit häuslicher Pflege kombinieren — Pflegegeld und Sachleistung können parallel genutzt werden.
Vier Formen der teilstationären Pflege
Tages- und Nachtpflege sind vielseitig. Vier Formen sind in der Praxis besonders wichtig — jede mit eigenen Strukturen und Kosten.
Form 1
Tagespflege
Die Tagespflege ist die häufigste Form der teilstationären Pflege. Pflegebedürftige verbringen den Tag in einer Pflegeeinrichtung, kehren aber abends nach Hause zurück. Tagespflege bietet Pflege, Betreuung, Mahlzeiten und soziale Aktivitäten.
Struktur: Anwesenheit tagsüber, meist 8 bis 10 Stunden, 5 bis 7 Tage pro Woche
Kosten: Eigenanteil für Unterkunft und Verpflegung, Pflegekosten übernimmt die Pflegekasse
Vorteile: Strukturierter Tag, soziale Kontakte, Entlastung der Angehörigen, häusliches Umfeld bleibt erhalten
Nachteile: Täglicher Transport erforderlich, nicht für alle Pflegebedürftigen geeignet
Form 2
Nachtpflege
Die Nachtpflege ist die spiegelbildliche Form: Pflegebedürftige verbringen die Nacht in einer Einrichtung und sind tagsüber zu Hause. Sie wird seltener genutzt, ist aber für Pflegebedürftige mit hohem nächtlichem Hilfebedarf eine wichtige Entlastung.
Struktur: Anwesenheit nachts, meist von Abend bis Morgen, an einzelnen oder allen Nächten der Woche
Kosten: Eigenanteil für Unterkunft und Verpflegung, Pflegekosten übernimmt die Pflegekasse
Vorteile: Entlastung bei nächtlichem Pflegebedarf, erholsame Nächte für Angehörige, tagsüber häusliche Pflege
Nachteile: Wenige Einrichtungen bieten Nachtpflege an, täglicher Transport, nur in bestimmten Regionen verfügbar
Form 3
Kombination aus Tages- und Nachtpflege
Manche Einrichtungen bieten beide Formen an — oder ermöglichen einen Wechsel je nach Bedarf. Dies ist sinnvoll bei schwankendem Pflegebedarf oder für Angehörige, die sowohl tagsüber als auch nachts entlastet werden müssen.
Struktur: Individuelle Kombination aus Tages- und Nachtpflege, je nach Bedarf und Einrichtung
Kosten: Eigenanteil für Unterkunft und Verpflegung, Pflegekosten je nach Inanspruchnahme
Vorteile: Flexibilität, individuelle Entlastung, Anpassung an wechselnden Pflegebedarf
Nachteile: Nicht überall verfügbar, höhere Eigenanteile bei voller Inanspruchnahme
Form 4
Kombination mit häuslicher Pflege
Tages- oder Nachtpflege kann mit häuslicher Pflege kombiniert werden. Die gepflegte Person bleibt zu Hause, wird aber an einigen Tagen oder Nächten in der Einrichtung betreut. Dies ist die häufigste und sinnvollste Form der teilstationären Pflege.
Struktur: Häusliche Pflege plus Tages- oder Nachtpflege an einzelnen Tagen oder Nächten
Kosten: Pflegegeld und Sachleistung können kombiniert werden, Eigenanteil für die Einrichtung
Vorteile: Verbleib im häuslichen Umfeld, flexible Entlastung, Kombination von Pflegegeld und Sachleistung
Nachteile: Organisationsaufwand für Transport und Pflegeplanung
Pflege bedeutet nicht, alles selbst zu tragen. Tagespflege gibt dem Pflegenden und dem Gepflegten Raum — für Begegnung, Struktur und Atem.
Wie ein Tag in der Tagespflege aussieht
Der Tag in einer Tagespflegeeinrichtung hat eine klare Struktur — vom Ankommen am Morgen bis zur Abholung am Nachmittag. Diese Struktur gibt Pflegebedürftigen Orientierung und entlastet Angehörige.
Ankunft, Frühstück, Morgenrunde, Pflege und Grundversorgung
Die Pflegebedürftigen kommen an, werden empfangen und erhalten bei Bedarf Hilfe beim Frühstück. Eine Morgenrunde bietet Struktur und sozialen Austausch. Anschließend folgen pflegerische Maßnahmen.
Mittagessen, Ruhephase, Einzel- oder Gruppenbeschäftigung
Das Mittagessen ist ein zentraler Punkt des Tages. Anschließend gibt es eine Ruhephase, in der Pflegebedürftige sich ausruhen können. Am Nachmittag folgen Beschäftigungsangebote wie Singen, Basteln oder Gymnastik.
Kaffee, Aktivitäten, Gespräche, Vorbereitung auf den Heimweg
Nach dem Kaffee werden oft gemeinsame Aktivitäten angeboten. Es gibt Gespräche, Spiele oder Ausflüge. Gegen Ende des Tages wird die Rückkehr vorbereitet — Pflegebedürftige werden abgeholt oder gebracht.
Was kostet Tages- und Nachtpflege?
Die Pflegekasse übernimmt die Pflegekosten als Sachleistung. Für Unterkunft, Verpflegung und Zusatzleistungen entsteht ein Eigenanteil. Hier eine Übersicht der wichtigsten Bestandteile.
Tagespflege in Zahlen
Fünf Schritte zur teilstationären Pflege
Wer Tages- oder Nachtpflege in Anspruch nehmen möchte, sollte frühzeitig planen. Diese fünf Schritte helfen, die richtige Einrichtung zu finden und die Kosten zu klären.
Pflegegrad feststellen lassen
Voraussetzung für teilstationäre Pflege ist ein Pflegegrad 2 bis 5. Beantragen Sie die Pflegebegutachtung durch den MD bei der Pflegekasse, falls noch nicht geschehen.
Einrichtungen in der Region suchen
Suchen Sie nach Tagespflege-Einrichtungen in Ihrer Nähe. Pflegestützpunkte und die Pflegekasse helfen bei der Vermittlung. Achten Sie auf Erreichbarkeit, Öffnungszeiten und Angebot.
Einrichtung besuchen und vergleichen
Vereinbaren Sie Beratungsgespräche und besuchen Sie mehrere Einrichtungen. Prüfen Sie Atmosphäre, Personal, Pflegekonzept und Kosten. Vergleichen Sie mindestens zwei Angebote.
Antrag bei der Pflegekasse stellen
Reichen Sie den Antrag auf teilstationäre Pflege bei der Pflegekasse ein. Fügen Sie den Vertrag mit der Einrichtung und Nachweise bei. Die Pflegekasse bewilligt die Sachleistung.
Eigenanteil und Transport klären
Klären Sie den Eigenanteil für Unterkunft und Verpflegung. Prüfen Sie, ob die Krankenkasse Transportkosten übernimmt. Organisieren Sie den regelmäßigen Transport zur und von der Einrichtung.
Tipps zur Tages- und Nachtpflege
Prüfen Sie, ob teilstationäre Pflege die häusliche Pflege sinnvoll ergänzt — oft ist die Kombination ideal.
Suchen Sie Einrichtungen in der Nähe, um lange Transportwege zu vermeiden.
Vergleichen Sie mindestens zwei Einrichtungen: Atmosphäre, Personal, Pflegekonzept und Kosten.
Klären Sie vorab den Eigenanteil für Unterkunft und Verpflegung — er kann 300 bis 700 Euro pro Monat betragen.
Pflegegeld und Sachleistung können kombiniert werden. Das Pflegegeld wird je nach Inanspruchnahme gekürzt.
Prüfen Sie, ob die Krankenkasse Transportkosten übernimmt. Bei Pflegegrad 4 und 5 ist das oft möglich.
Achten Sie auf Öffnungszeiten: Manche Einrichtungen bieten nur Wochentagspflege, andere auch Wochenende.
Sprechen Sie mit dem Pflegebedürftigen über die Tagespflege. Akzeptanz und Vertrauen sind wichtig.
Nutzen Sie Pflegeberatung nach § 7a SGB XI — Pflegestützpunkte helfen kostenlos bei der Auswahl.
Planen Sie Übergangszeit: Beginnen Sie mit einigen Tagen pro Woche und steigern Sie langsam, wenn es gut läuft.
Häufige Fragen zur Tages- und Nachtpflege
Bei der Tagespflege verbringt die Pflegebedürftige den Tag in einer Einrichtung und kehrt abends nach Hause zurück. Bei der Nachtpflege verbringt sie die Nacht in der Einrichtung und ist tagsüber zu Hause. Tagespflege ist deutlich häufiger, da sie tagsüber die Angehörigen entlastet. Nachtpflege wird seltener angeboten, ist aber für nächtlichen Pflegebedarf wichtig.
Die Pflegekasse übernimmt die Pflegekosten als Sachleistung bis zu 2.368 Euro pro Monat (Stand 2025) bei Pflegegrad 5. Für Unterkunft, Verpflegung und Zusatzleistungen entsteht ein Eigenanteil, der meist 300 bis 700 Euro pro Monat beträgt. Die genauen Beträge variieren je nach Einrichtung und Region.
Ja, das ist möglich und oft sinnvoll. Pflegegeld und Sachleistung können kombiniert werden. Das Pflegegeld wird dabei je nach Inanspruchnahme der Sachleistung gekürzt. So bleibt die gepflegte Person im häuslichen Umfeld, wird aber an einigen Tagen in der Einrichtung betreut.
Tages- und Nachtpflege setzen einen Pflegegrad 2 bis 5 voraus. Pflegegrad 1 umfasst nur Entlastungsleistungen, keine teilstationäre Pflege. Beantragen Sie die Pflegebegutachtung durch den MD bei der Pflegekasse, falls noch kein Pflegegrad festgestellt wurde.
Die Anzahl der Tage hängt vom Bedarf und der Einrichtung ab. Die meisten Tagespflege-Einrichtungen sind 5 bis 7 Tage pro Woche geöffnet. Die Pflegekasse übernimmt die Kosten bis zum monatlichen Höchstbetrag. Die genaue Anzahl wird mit der Einrichtung und der Pflegekasse vereinbart.
Die Pflegekasse übernimmt die Pflegekosten bis zu 2.368 Euro pro Monat (Stand 2025) bei Pflegegrad 5. Der Eigenanteil für Unterkunft und Verpflegung liegt meist zwischen 300 und 700 Euro pro Monat. Bei niedrigeren Pflegegraden ist der Sachleistungsanteil geringer — der Eigenanteil bleibt ähnlich.
Pflegestützpunkte und die Pflegekasse helfen bei der Vermittlung. Suchen Sie nach Einrichtungen in Ihrer Nähe und vergleichen Sie mindestens zwei. Achten Sie auf Erreichbarkeit, Öffnungszeiten, Personal, Pflegekonzept und Kosten. Vereinbaren Sie Beratungsgespräche und besuchen Sie die Einrichtungen.
Der Transport zur und von der Einrichtung muss organisiert werden. Bei Pflegegrad 4 und 5 kann die Krankenkasse die Transportkosten übernehmen, wenn der Transport medizinisch notwendig ist. Einige Einrichtungen bieten einen Hol- und Bringdienst an. Klären Sie dies vorab mit der Einrichtung und der Krankenkasse.
Teilstationäre Pflege bedeutet, dass die Pflegebedürftige nur einen Teil des Tages oder der Nacht in der Einrichtung verbringt, aber zu Hause wohnt. Stationäre Pflege bedeutet, dass die Pflegebedürftige dauerhaft in einem Pflegeheim lebt. Teilstationäre Pflege ist eine Mittelweglösung, die häusliche und professionelle Pflege kombiniert.
Ja, beides kann kombiniert werden. Das Pflegegeld wird jedoch je nach Inanspruchnahme der teilstationären Sachleistung gekürzt. Wird die Sachleistung voll ausgeschöpft, entfällt das Pflegegeld. Bei teilweiser Inanspruchnahme läuft das Pflegegeld anteilig weiter.
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